Home Halle Aktuelles Leistungen Trägerverein Kontakt
Sportforum Kaarst-Büttgen
 
Aktuelles
Ein Urgestein nimmt Abschied
1. Oktober 2011
Ein Radsportler der alten Garde

Heinz Theisen: „Der Radsport hat mir die Welt gezeigt“

Wer in die Geschichte des deutschen und internationalen Radrennsports eintauchen und sich die glanzvollen Seiten des deutschen Radsports vor Augen führen lassen will, ist bei Heinz Theisen (76) an der richtigen Adresse. Denn wie kaum ein anderer aus der „alten Garde“ der Radrennfahrer eines Gustav Kilian („Der eiserne Gustav“) war Heinz Theisen als aktiver Fahrer mitten drin in der „guten, alten Zeit“ des deutschen Radsports – viele Jahre davon als Fahrer auf den internationalen Rennstrecken, und in den letzten Jahren als erfahrener Mechaniker für bekannte deutsche Radsport-Teams. „Ich habe alle wichtigen Radrennstrecken gefahren“, sagt Heinz Theisen im Gespräch mit leuchtenden Augen. „Nur eine habe ich mir damals nicht zugetraut: Die „Tour de France“. Dazu reichten meine Kräfte und die Bereitschaft, mich bis aufs Blut zu quälen, nicht!“
Wenn Heinz Theisen, dessen größte Triumphe die UCI-Weltmeistertitel 1977, 1982 und 1983 in St. Johann in Tirol waren erzählt, wird eine Welt lebendig, die es heute in dieser Form nicht mehr gibt. Dabei begann die sportliche Karriere des Jungen aus Mönchengladbach nicht auf dem Rad, sondern bei Borussia in einer Jugend-Fußball-Mannschaft. „Da habe ich als Abräumer im Mittelfeld gespielt, bis ich 14 Jahre alt war“, erzählt er. Allerdings war schon sein Vater ein bekannter Radrennfahrer, an den sich auch heute noch Ältere voller Bewunderung und Respekt erinnern. Er setzte seinen Sohn mit 13 zum ersten Male auf ein selbst zusammengebautes Rennrad. „Das hatte er aus zwei alten Rädern zusammengebastelt, denn es gab zu dieser Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg nichts zu kaufen. Natürlich gab es auch keine speziellen Räder für die Strasse und die Bahn“. Und so konnte es passieren, dass der junge Radrennfahrer Heinz Theisen mit dem gleichen Rad tagsüber auf der Strasse fuhr und abends – nachdem die Bremsen abmontiert worden waren – auf der Bahn aktiv war. Mit Wehmut denkt er an die Zeit, als in Mönchengladbach noch die „Jagd in der Nacht“ im Volksgarten als Rennen gefahren wurde – zum letzten Male 1975. Gesammelte Zeitungsausschnitte erinnern an die große Zeit, als Radsport noch Volksport war und die Sieger eine Art „Heldenstatus“ genossen.

400mal auf dem Siegerpodest

In seinem privaten „Buch der Erfolge“ stehen bei Heinz Theisen über 400 gewonnene Rennen. Keineswegs nur auf der Strasse, sondern auch in der Halle. „Ich habe natürlich auch „Six-Days“ gefahren und Steher-Rennen in Dortmund, in Köln, in Münster und in der Essener Gruga-Halle. Ich war damals bekannt wie ein bunter Hund“, sagt er und lacht. International nahm er am Wettbewerb „Paris-Roubaix“ teil, fuhr die „Vuelta“ oder „Rund um den Henniger-Turm“ in Frankfurt. „Ich war nie der ganz große Sieger, aber es machte mir Spaß, dabei zu sein und die unvergleichliche Atmosphäre zu genießen. Das ist etwas Unglaubliches“, schwärmt er noch heute von den vergangenen Tagen, in denen er bekannten Radsport-Teams angehörte.

Seine zweite Karriere startete Heinz Theisen, der zeitweise sogar zwei Radsport-Fachgeschäfte in Mönchengladbach führte, als Chefmechaniker für das deutsche National-Team, das Telekom- und das Coast-Team. In dieser Funktion betreute er auch Udo Hempel und Günter Schumacher, mit denen ihn bis heute eine enge Freundschaft verbindet. Nachdem er 1983 von seinem Rennrad gestiegen war, fuhr er jedoch weiter Derny-Rennen. „Ich habe auch 35 Jahre auf dem Derny gesessen und viele Talente zum Sieg geführt“, erinnert er sich.

„Ich war eben total vernarrt in den Radsport!“ Erst ein schlimmer Unfall 1997 in Amsterdam /NL warf ihn zwei Jahre zurück.

Mit dem Neubeginn der Radsporthalle 1991 übernahm Heinz Theisen den Job des Hallenmeisters. „Einen besseren und bekannteren Mann für diesen verantwortungsvollen Job als Heinz Theisen konnten wir nicht finden“, sagte damals Peter Kirchhartz. Heinz Theisen war jedoch mehr als nur Hallenmeister. Er stellte seine privaten 40 Rennräder für solche Fahrer, die kein eigenes Rad besitzen, aber gern auf der Bahn fahren möchten, zur Verfügung. Unter Radsport-Freunden ist seine mit allen technischen Finessen ausgestattete Mechaniker-Werkstatt im Sportforum berühmt. „Es gibt kein technisches Rad-Problem, das Heinz Theisen nicht lösen kann“, heißt ein geflügeltes Wort. Bei Radreparaturen braucht der Mann, der heute noch einen Handgriff wie ein Schraubstock hat, oft nicht einmal die zwei Schraub-Klemmbacken.

Was seine Radsportfreunde an Heinz Theisen schätzen, ist nicht nur seine Hilfsbereitschaft und seine sagenhafte radsportliche Sachkenntnis, es ist auch die Freundlichkeit und seine stetige Ansprechbarkeit sowie sein ausgeprägtes Pflichtgefühl. Der Satz „Ein Mann – ein Wort“ hat bei ihm oberste Priorität. Statt diffiziler juristischer Verträge genügt ihm bei Abmachungen und Vereinbarungen ein fester Händedruck.

Wer Heinz Theisen nach einem Fazit seines Sportler-Lebens fragt, erhält einen Eindruck davon, wie dankbar der „Jlabbacher Jong“ dem Radsport ist. „Er hat mich rund um die Welt geführt, mich an vielen großen Sport-Ereignissen teilnehmen lassen und mich mit vielen interessanten Persönlichkeiten nicht nur im Sport zusammengeführt. Der Radsport hat mir die Welt gezeigt und mir viele ehrliche Freundschaften geschenkt. Daher gebe ich in meinem Alter dem Sport das zurück, was er mir viele Jahre geschenkt hat!“

Egon W. Vossen
Zur Übersicht

Kreis Neuss Stadt Kaarst VfR Büttgen BTV-Vorst SG Kaarst VfS Büttgen VfS Büttgen web and more - Das Internetsystemhaus